Indian Rainbows

Bestanden? Die acht Prüfungen der Chennai.

Heute habe ich endlich meinen Termin bei der Einwanderungsbehörden! Das heißt: Visum – Reisen – Freiheit!

Der erste Punkt meiner achtfachen Prüfung war der online Visumsantrag auf www.immigrationindia.nic.in. Ausgedruckt, mit einem Passbild versehen und, das heißt diesmal bin ich Insider und kann ganz cool vor zum Touchscreen und mir eine Wartemarke ziehen. Danach gehts rüber in die Schalterhalle, die von dem Warteraum nur von einer Glaswand abgetrennt ist.

Vor den vier Schaltern stehen drei Reihen Stühle, die etwas zur Hälfte besetzt sind. Drei Leute sind noch vor mir dran, so dass ich mir den Betrieb in Ruhe anschauen kann.

Diesmal ist ein Europäer da, ein Deutscher Businessman. Er wird von einem Agenten begleitet, der alle Interaktionen mit den Beamten der Behörde übernimmt. Ansonsten ein zwei, drei Afrikaner und Asiaten, aber die große Masse der Leute kommt aus Sri Lanka. Ein Agenten hat man aber wohl nur als Geschäftsmann!

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Als ich endlich an die Reihe komme, erzähle ich der Beamtin wieder meine Geschichte – und bekomme wieder zu hören: Nein, neues Visum geht auf keinen Fall, es gibt nur eine Ausreisegenehmigung. Ich muss einige Minuten mit der Frau debattieren, bevor sie endlich nachgibt und meinen Visumsantrag entgegennimmt. Sie  sagt, „Sit, please“ und verschwindet für zehn Minuten.

Als sie zurück kommt, winkt sie mich wieder an den Schalter und händigt mir einen Deficiency Letter aus. Sie bemängelt, dass Form C fehlt und ein falsches Police Clearance Certificate. Denn die Polizei hat mir ein Schreiben ausgestellt, das keine weiteren Ermittlungen zum Pass angestellt werden, sie wollte aber ein polizeiliches Führungszeugnis!

Und Form C? Ich sage ihr, dass mein Hotelier das Form C nicht kenne und mir daher nicht weiterhelfen konnte. Darauf schickt sie mich in Raum 10.

Ganz am Ende eines langen Korridors langweilen sich dort vier ITler vor ihren Rechnern, sie bilden den Support für Hotels und andere Betriebe die mit Ausländern zu tun haben. Als ich Ihnen erzähle, dass es in meinem Hotel kein Form C gibt sagen sie, ich soll doch den Hotelier zu Ihnen schicken, sie wurden ihm erklären wo er sich registrieren muss, damit er Form C runterladen kann. „Hm, I could do that myself, I could even aquire it myself“ sage ich, habe ich Form C doch schon ausgiebig gegoogelt.

Sie lachen und einer sagt: „It is not on YOU to fill out Form C“.
Danach verschwinde ich aus Raum 10 und aus der Immigrationsbehörde – mein nächster Termin ist erst am Dienstag. Also weitere fünf Tage Chennai 🙁

Immerhin, das Führungszeugnis kann ich mir schnell beschaffen. Ich kopiere eine Vorlage aus dem Netz, schreibe mir selber das Zeugnis und lasse es in der Wache stempeln. Danach gehe ich, denn mittlerweile ist es schon Abend, in einen Biergarten! Entspannt an der frischen Luft ein Bier trinken ist genau, dass was ich brauche.

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Im Biergarten werde ich schon erwartet – ein Kellner passt mich direkt am Eingang ab und bringt mich zu einem Tisch. Unterwegs fragt er, was ich trinken will. „Brandy, Rum oder Whiskey?“ Er wirkt etwas enttäuscht, als ich nur ein Bier haben will!

Wahrscheinlich schlägt er mir deshalb vor Extra Strong Beer zu trinken. Und ich lasse mich breitschlagen, ein kräftiges Bier hort sich für mich Prima an.

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Der Kellner lächelt zufrieden, irgendwie habe ich das Gefühl, dass es ihn ganz besonders freut einem Deutschen beim Trinken zu helfen.

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Weil es im Biergarten kein vegetarisches Essen gibt, bestelle ich mir noch ein Tandoori Chicken zum Bier und entspanne mich.

Wie immer in Chennai bleibt man im öffentlichen Raum nicht lange alleine. Diesmal treffe einen Banker, der ursprünglich aus Bombay, jetzt in Chennai arbeitet. Er stimmt meiner Aussage zu, das Chennai etwas langweilig sei, aber in Bombay sei viel mehr los! Und ab den 3.1 könne ich ihn da besuchen, denn er hat seine Versetzung in der Tasche. Der Glückspilz! Ich frage mich, ob ich es wohl schaffe, bis zum 3.1 aus Chennai herauszukommen? Und werde etwas melancholisch.

Doch dann kommt zum Glück einer seiner Kollegen, die beiden wollen die Versetzung feiern. Die beiden fangen sofort an zu Tratschen, Bürogossip vom feinsten. Es geht um Liebschaften, Schwangerschaften, das komplizierte Verhältnis zum Chef, inkompetente Mitarbeiter – man kennt das ja! Ist überall auf der Welt das Gleiche.

Nachdem mich in der letzten Woche alle Leute fast so wie einen Star behandelt haben (viele wollten ein Photo mit mir oder mir die Hand schütteln) und es kaum möglich war, in einer Unterhaltung auf eine Ebene zu kommen, bin ich  froh Menschen zu treffen, die in einer ähnlichen Welt leben wie ich!

Wir bestellen noch jeder ein Bier und ich verfolge entspannt die Unterhaltung der Beiden.

Jetzt geht es um Smartphones, der Kollege hat sich nämlich ein neues geholt. Ein richtig großes Teil mit 2 GB Ram für nur 10.000 Rupien. Ich bin schon ein bisschen neidisch muss ich sagen, meines ist viel Kleiner! Und mit der Bloggerei ist es etwas überfordert, was hauptsächlich an dem zu kleinen Arbeitsspeicher liegen dürfte. Wie auch immer, das Gespräch wandert weiter zu Goa, wo ich eventuell auch hinfahren möchte und wir beschließen ein allerletztes Bier zu teilen.

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Der Banker fährt jeden September mit seinen Freunden aus Mumbai, für ein Woche nach Goa. Sie betrinken sich schon im Zug und halten diesen Zustand dann auch die ganze Woche durch! Also ist Goa das indische Vegas? oder Malle? Vielleicht sollte ich mir das mal persönlich anschauen.

Mittlerweile haben wir unser letztes Bier getrunken und wir machen uns auf dem Heimweg. Der Banker ist so nett mich nach Hause zu bringen und zeigt mir unterwegs noch einen Späti der Grass verkauft.

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