Indian Rainbows

Das Haus, das Verrückte macht

Ein Ende ist in Sicht! Der letzte Teil meines Bürokratie Triathlons steht an und nach dem Pflichttermin gehts auf eine indische Hochzeit.

Ich will so früh wie möglich fertig werden, also stelle ich den Wecker auf 8:30 und nehme ein Tuk Tuk zum „Foreigners Registration Office“.

Ich komme kurz vor der offiziellen Öffnungszeit um 9:30 an. Die Sitze in der Wartehalle sind fast alle besetzt, ich kann auf einem der beiden letzten Stühle Platz nehmen. Die meisten anderen Ausländer sehen indisch aus und kommen, wie ich erfahre zu einem großen Teil aus Sri Lanka. Daneben gibt es noch ein 2-3 Ostasiaten und mich, als einzigen Europäer.

Da  bin ich mal gespannt. Das Bureau of Immigration - mein erster Kontakt mit der berühmt berüchtigten indischen Bürokratie!

Das Bureau of Immigration – mein erster Kontakt mit der berühmt berüchtigten indischen Bürokratie!

Am hinteren Ende der Wartehalle steht ein Touchscreencomputer, der von einem Mann und einer Frau des FRO betreut wird.

Das FRO arbeitet voll elektronisch, man erstellt seinen Visumsantrag online und bekommt dann einen Termin. Wenn man einen Termin hat, gibt man seine Visaantragsnummer in den Touchscreencomputer ein und bekommt dann eine Wartemarke ausgehändigt. Total praktisch!

Da ich mit keinem Antrag dienen kann, wende ich mich an die Beamte neben dem Computer. Ich erkläre ihr, dass ich meinen Pass verloren hätte und gerne ein neues Visum bekommen würde.

Die Antwort: Ein kategorisches Nein! Bestenfalls bekomme ich einen 7 Tage gütigen Exit-Permit, und auch eine Visums Beantragung aus dem Ausland sei chancenlos: „We don´t give Visa in this“. Dabei zeigt sie verächtlich auf meinen grünen, vorläufigen Reisepass.

Völlig baff muß ich mich erstmal setzten. Eine Welt bricht in mir zusammen! Kein Indien Urlaub? Ausreise in 10 Tage? Den Tränen nahe nehme ich Platz, versuche mich zu fassen. Kein Rainbow in Auroville? Ausserdem kommt mein neuer Pass in 6 Wochen in Chennai an und den muss ich personlich abholen.

Der Matrimandir ist das Zentrum der integralen Stadt Auroville. (Quelle: wikicommons)

Auroville ist eine Projektstadt, die das spirtuelle Wachstum der Menschheit fordern will und eine postmaterialistische Gesellschaftsordnung propagiert. Ein idealer Ort fuer ein Rainbow und ein wichtiges Ziel meiner Indienreise, bevor es im Fruhling 2015 in die buddhistischen Nordstaaten gehen soll.

Ich fange an alternative Reisepläne zu erstellen. Möglich ist ja vieles Thailand, Teneriffa oder Trinidad! Aber alles keines dieser Lander hat den spirituellen Reichtum Indiens.

Doch auf einmal nickt mir der Mann am Empfang zu und sagt: “ Wait here until 11, I have someone who will help you.“

Ein Hoffnungsschimmer! Die Reisepläne sind vergessen und ich fange an mich dem Tom Clancy zu beschäftigen. Warten, darauf habe ich mich gut vorbereitet.

Und tatsächlich werde ich nach einer halben Stunde in ein anderes Zimmer aufgerufen, in dem eine freundliche, ruhige, etwa 50 jährige Beamtin Härtefälle empfängt. Sie hört sich geduldig meine Geschichte an, nimmt dann meine Papiere entgegen und verschwindet.

Nach 10 Minuten kommt sie zurück und händigt mir einen 8-Punkte Plan aus, den ich zur Erlangung eines neuen Visum erfüllen müsse:

  1. Visumsantrag von www.immigrationindia.nic.in
  2. Brief des Konsulats
  3. Kopie des alten Passes
  4. Kopie des neuen Passes
  5. Motivationsschreiben
  6. FIR der Polizei
  7. Police Clearance Certificate
  8. Form C aus meinem Hotel

Ok, denke ich mir – so schwer sieht das gar nicht aus! Das meiste habe ich schon oder kann es selber erledigen. Und mit der Polizei habe ich mich prima verstanden, so daß es wohl auch kein Problem sein wird ein Clearance Certificate zu bekommen. Und Form C kann ich einfach an der Rezeption beantragen.

Froh, der sicheren Ausweisung entkommen zu sein, verlasse ich das FRO und mache mich sogleich auf den Weg zur Wache Anna Salai.

Dort werde ich gleich wieder vorgelassen zu den Polizisten den Polizisten in Zivil, die im ersten Stock der Wache ihr Büro haben. Heute mittag sind nur zwei Beamte vor Ort. Als ich Ihnen vom Police Clearance Certificate (PCC) erzähle runzeln sie die Stirn und scheinen nicht so recht zu wissen, was es damit auf sich hat.

Sie drucksen ein bischen herum und sagen mir dann, dass ich heute Abend wiederkommen solle! Dann würde sich der Inspektor höchstpersönlich um mein PCC kuemmern.

Glücklich bin ich nicht über die Verzögerung, die indische Hochzeit muss für mich leider ausfallen. Aber das Visum ist mir wichtiger!

Denn ohne Pass und Visum geht in Indien relativ wenig. Zum Einchecken in ein Hotel braucht man ein Visum, zum Bahnfahren auch und zum Fliegen sowieso, ohne Visum stecke ich also mehr oder weniger in Chennai fest.

Also gehe ich erstmal zurück zum Hotel und halte Siesta.

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Gute Stimmung! Ein Selfie mit der Polizei.

Am Abend gehts dann wieder zurück zur Wache. Oben haben sich neben dem Inspektor noch vier andere Polizisten versammelt. Es herrscht entspannte Feierabendatmosphäre. Wir verstehen uns alle prächtig, trinken Tee zusammen und alle paar Minuten kommt jemand herein, um einen Blick auf den Deutschen zu werfen, der seinen Pass verloren hat und mir eventuell noch die Hand zu schütteln. Sie scheinen alle sehr erfreut zu sein, dass ich in ihrer Wache bin.

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In einem schonen Buro im ersten Stock befindet sich das Buro des Inspektors. Die Vintage Mobel und die freundlichen Beamten verbreiten eine behagliche Atmosphare.

Der Inspektor stellt mir ein paar Fragen zu Deutschland, wo ich genau herkomme, welche anderen Städte es in Deutschland noch gibt, solche Sachen. Dann murmelt er etwas von Express Police Clearance oder Regular und sagt mir, nachdem ich darauf nicht reagiere, dass ich morgen um 12:00pm wiederkommen soll und dann mein Zertifikat erhalte. Gut soweit geschafft! Salutierend und grinsend verlasse ich Wache, ich bin mit mir und der Welt zufrieden.

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Mein Freund und Helfer. Als ich die Wache verlasse habe ich wieder gute Laune!

Super, denke ich, fast geschafft. Zurück im Hotel sage ich dem Chef, an der Rezeption dass ich Form C benötige. Er hört mir kurz zu und sagt dann, dass er keine Form C habe. Das sei aber auch nicht notwendig, als Nachweis das ich im Hotel wohne sollte ja auch eine Kopie der Rechnung ausreichen. Er händigt mit eine Kopie der Rechnung aus und ich bin mir auf einmal sehr sicher, dass ich noch diese Woche ein neues Visum erhalten werde!

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