Indian Rainbows

Der doppelte Atem – Körpersprache

Warum sollten sich gerade Buddhisten mit Körpersprache befassen? Ist das nicht eher was für professionelle Lügner? Verkäufer und Vertreter, Politiker, Personaler und Führungskräfte werden schließlich speziell darin geschult ihre Körpersprache gezielt einzusetzen und zu optimieren. Für gewöhnlich um vertrauenswürdiger und mächtiger zu erscheinen, als sie eigentlich sind. Gleichzeitig lernen sie, unsere Körpersprache im Auge zu behalten und können so ein Stück weit unsere Gedanken lesen.

So können sie uns nach dem Körper reden, halten uns den Kaufvertrag, genau in dem Moment hin, in dem sie unsere Zustimmung aufblitzen sehen. Und schon haben wir unterschrieben.

Vielen wird es bekannt sein, das Eisbergprinzip. Denn wie beim Eisberg, der nur zu zwanzig Prozent über der Wasseroberfläche zu sehen ist, so geschieht auch nur ein kleiner Teil der Kommunikation über den bewussten, verbalen Kanal. Der weitaus größere, unbewusste Teil wird dagegen mit Körpersprache kommuniziert.

Aber was hat das mit Buddhismus zu tun? Eigentlich eine Menge. Zum einen fällt auch Körpersprache unter Rechte Rede. Ohne Verständnis der eigenen Körpersprache ist es aber unmöglich festzustellen, was wir gerade kommunizieren. Es bringt nichts wenn wir uns bemühen, nichts Verletzendes mehr von uns geben, wenn wir gleichzeitig unserer Aggression körperlich Ausdruck verleihen.

Das gleiche gilt für den Körper. Wir können schweigen. Aber wir können nicht nicht kommunizieren. Und darüber, was unser Körper kommuniziert haben wir tatsächlich nur zu einem sehr kleinen Teil Kontrolle, es sagt aber sehr viel über uns aus. Daher ist es auch so hilfreich den Körper abzuscannen. Denn so wird die Achtsamkeit nicht nur auf den Atem sondern, auf den gesamten Körper ausgeweitet. Ein geübter Vipassana Meditator bringt daher sehr gute Voraussetzungen mit, die eigene Körpersprache bewusst wahrzunehmen und gezielt einzusetzen.

Wie im Atem so spiegelt sich auch im Körper unsere Stimmung wieder. Sind wir verängstigt ziehen wir die Schultern ein, der Nacken verspannt. Sind wir dauerhaft verängstigt entstehen daraus Rückenschmerzen. Ist uns das bewusst kann man den Ängsten auf den Grund gehen und gezielt entspannen. Aber die hochgezogenen Schultern werden auch von unseren Mitmenschen wahrgenommen, die auf solche Signale nicht unbedingt unterstützend reagieren, sondern eventuell annehmen, dass man etwas zu verbergen hat.

Wer seine Körpersprache beobachtet kann bewusst von einer geschlossenen, defensiven Haltung in eine offener und freundlichen Haltung wechseln. Denn so wie ein ruhiger Atem den Geist beruhigt, hat auch eine veränderte Körpersprache einen positiven Einfluss auf unseren Stimmung.

Allerdings ist der Vorteil doppelt so groß. Während ich mit dem Atem nur mich selber beruhigen kann, wird auch mein Gegenüber die veränderte Körpersprache bemerken und sich ebenfalls entspannen.

Mit steigendem Grad der Verwirklichung wird auch die Körpersprache immer bewusster erfahren und letztlich alle Kommunikation voll integriert, die Widersprüche zwischen bewussten und unbewusstem Handeln sind dann automatisch aufgelöst. Aber der Weg dahin ist nicht einfach, daher ist es sehr hilfreich sich mit Körpersprache zu befassen, um der Integration etwas unter die Arme zu greifen.

Selbstverständlich ist man nicht darauf beschränkt den eigenen Körper zu betrachten. Mitgefühl gehört zu den vier Unermesslichen und Mitgefühl ist eine Voraussetzung dafür wirklich liebevoll handeln zu können. Wenn man sich nicht in den Gegenüber hineinversetzen kann, können gutgemeinte Handlungen fatale Auswirkungen haben. Man bietet dem trockenen Alkoholiker ein Glas Champagner an. Er verneint unter äußerster Anstrengung. Man sieht seinen inneren Kampf nicht. Fragt nochmal und Schwips greift er zu! Mit einem achtsamen Blick auf die Körpersprache wäre das nicht passiert.

Übt man dagegen die Körpersprache seiner Mitmenschen im Auge zu behalten, merkt man wenn man ihnen auf die Nerven fällt, wenn sie Hilfe möchten oder nicht und all die anderen Kleinigkeiten, die den Unterschied zwischen einem angenehmen und einen unangenehmen Menschen ausmachen. Und den Verkäufern, Vertretern und Führungskräften geht man dann auch nicht mehr so leicht auf den Leim.

Und so wird mit der richtigen Motivation aus einem Werkzeug der rücksichtslosen Manipulation wertvolles Buddhadharma. Wirtschaft und Buddhisten eint nämlich ein starkes Interesse daran Menschen zu verstehen.

Der entscheidende Unterschied ist die Motivation. Eine Buddhistin wird innere Qualitäten entwickeln und schlechte Gefühle und Verhalten abbauen, um sich und allen Wesen zu einem glücklichen Leben zu verhelfen. Das Augenmerk liegt dabei auf dem Geist und nicht so sehr auf den äußeren Bedingungen. Denn Leid existiert nun einmal nur im Kopf und wer mitfühlend und tatkräftig ist, wird keine Probleme haben, seine materiellen Bedürfnisse zu erfüllen.

Ein weltlicher Mensch dagegen oft aber nur die eigene Karriere im Auge haben. So wird er sein Wissen in den Dienst eines Apparats stellen, der weder dem eigenen Glück noch dem Glück der Menschheit verpflichtet ist, sondern schlicht ergreifend unsere Unwissenheit ausnutzt, um möglichst viel unserer Aufmerksamkeit und Ressourcen zu binden. Andererseits könnte dieses Wissen auch als Trojanisches Pferd fungieren, denn umso mehr sich Menschen selbst bewusst sind, desto besser können sie ihre eigenen Interessen im Auge haben.

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