Indian Rainbows

Die Reise nach Kalimpong

Der Abschied von Kalkutta ist mir wirklich leichtgefallen. Während des Monsun wird schmutzige Charme der Stadt unter dem ständigem Regen und den tiefen, schwarzen Pfützen begraben. Die Luft ist so feucht heiß, dass ich schon in Schweiß gebadet ist, wenn ich mich nur einmal kurz im Bett umdrehe. Aber morgen wird alles besser! Regnen wird es zwar immer noch, aber dafür wird es zehn Grad kühler sein, ruhiger und sauberer.

Abschied im Regen. Ich nehme ein Taxi von der Sudder Street zum Bahnhof Sealdah

Abschied im Regen. Das Taxi bringt mich von der Sudder Street zum Bahnhof Sealdah

Mein Zug fährt um 10 Uhr abends und soll morgens um 8 in Siliguri eintreffen, dort werde ich dann von meinem Kontakt im Kloster, Gendun abgeholt. Und diesmal habe ich mir wirklich etwas gegönnt, statt gammeliger Sleeper Class fahre ich jetzt 3rd Class AC! Ein andere Welt. Während in der Sleeper Class hauptsächlich jüngere Männer unterwegs sind, sitze ich jetzt mit einer indischen Familie zusammen. Alle leicht rundlich, überhaupt sind fast alle Menschen in meinem Wagon leicht übergewichtig. Wirtschaftswunder machen sich wohl immer auch auf den Hüften bemerkbar, in der Sleeper Class waren sie alle noch spindeldürr. Unterhaltung kommt keine auf, alle tippen wir müde in unsere Smartphones und nachdem der Kontrolleur durch den Wagon ist, klappen wir die Betten runter und gehen schlafen. Ein bis zwei Schnarchnasen gibt’s zwar im Wagon aber alles im allem habe ich eine ruhige Nacht.

Am nächsten Morgen kommen wir pünktlich um halb 9 in Siliguri an. Endstation, der ganze Zug lehrt sich. Draußen begrüßt mich strahlender Sonnenschein, kein Wolke ist am Himmel zu sehen und trotz der frühen Tageszeit ist es schon sehr heiß.

Noch während ich aus dem Zug steige ruft Gendun mich an, er verspätet sich, weil die Straße teilweise von Erdrutschen blockiert wurden, aber in zwanzig Minuten sei er da. Ich habe immer noch nicht so richtig Appetit also kaufe ich zum Frühstück eine Flasche Thumps Up, setze mich auf eine Bank und warte.

 

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Gendun ist Mitglied in der Ausbildungskommission der Klosterschule (Shedra) in Kalimpong und mein Gastgeber.

Neben mir taucht auf einmal eine Reinigungskraft auf, in der Hand ein Kabel aus dem drei Kupferlitzen schauen. Die Litzen steckt er fein säuberlich, eine nach der anderen, in die Löcher einer Steckdose in der Wand des Bahnhofs. Dann geht er zu seiner Scheuersaugmaschine und beginnt in aller Ruhe den Boden zu säubern. Ich kann mich nicht ganz entscheiden ob ich ihn bewundern soll oder doch eher empört sein sollte, auf jeden Fall habe ich nun die Gewissheit, dass auch ein Leben ohne Stecker möglich ist.

Gandun meldet sich erneut, erst ist am Bahnhof angekommen und wir sollen uns auf der Gleisüberführung treffen. Also muss ich los, gerade als ich mit einem indischen Soldaten aus Nepal ins Gespräch gekommen bin, der mit seiner Familie auf dem Weg nach Nagaland ist.

Und tatsächlich wir treffen uns. Ich brauche kurz Zeit um ihn zu erkennen, Gendun hat nur den weinroten Rock des tibetischen Ornats an, darüber trägt er ein knallrotes T-Shirt. Er ist in etwa so alt wie ich und trägt eine ähnliche Brille wie ich sie früher getragen habe. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg zum Auto, er hat nämlich extra ein Taxi genommen, dass uns bis zum Kloster bringt.

 

Kalimpong wurde zu Kolonialzeiten als Rückzugsort in den heißen Sommermonaten genutzt.

Kalimpong wurde zu Kolonialzeiten als Rückzugsort in den heißen Sommermonaten genutzt.

Wir fahren ungefähr eine Stunde, dann machen wir ein kurze Frühstückspause. Bisher sind wir nur durch ebenes Land gefahren, voll von Wäldern, Kasernen und ab und zu auch mal einem Dorf. Doch ab jetzt geht’s in die Berge, wir sind an den ersten Ausläufern des Himalaya angekommen. Die Straße schlängelt sich durch ein enges Tal auf dessen Grund sich die Regenmassen der letzten Tag zu einem reißenden Fluss vereint haben. Links und rechts steigen die bewaldeten Berge steil empor.

Die Straße wird schmaler, der Belag schlechter. Bald fahren wir über die ersten Stellen an denen die Straße von Erdmassen verschüttet wurde. Nicht nur in Kalkutta hat es in letzten Tagen extrem viel geregnet. Aber da nur wenig Verkehr ist kommen wir dennoch gut voran und erreichen in knapp zwei Stunden das Kloster in Kalimpong.

Die Stadt liegt an der Grenze zu Sikkim, das bis in die siebziger Jahre ein kleines, unabhängiges Himalaykönigreich war. Bhutan, das noch existierende Himalayakönigreich ist auch nur ein paar Stunden entfernt und auch nach Nepal und Bangladesch ist es nicht weit.

Auch hier oben legt die Regenzeit eine Pause ein, der Himmel könnte blauer nicht sein, die Luft ist dabei immer noch angenehm warm. Gerade als wir durch die Pforte gehen ertönt der Gong zum Essen. Es ist fast so schön wie ich es mir vorgestellt hatte, man hört die Vögel zwitschern, der Wald fängt direkt unterhalb des Klosters an und überall wachsen Blumen.

 

Gendun zeigt mir mein Zimmer, das relativ groß ist, wenn auch etwas karg eingerichtet. Aber das lässt sich ja noch ändern. Und sogar ein eigenes Badezimmer habe ich, mit so viel Luxus hatte ich gar nicht gerechnet. Ich bin ziemlich müde und brauche erstmal etwas Ruhe, daher bin ich froh als Gendun mich alleine lässt. Erschöpft lasse ich mich auf mein Bett fallen und schlafe schon kurz danach ein.

 

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