Indian Rainbows

Durga erlegt bösen Büffeldämon – ganz Indien feiert

Es hat ein paar Tage gedauert, aber der Triumph Durgas war letzten Endes unvermeidlich. Wieder einmal hat das Gute über das Böse gesiegt. Rama hat endlich seine Frau zurück und auf den Straßen wird getanzt.

Hier zwar nicht ganz so viel gefeiert wie in Berlin, aber wenn es erstmal losgeht, dann so richtig, die Partys dauern mehrere Tage und das ganze Dorf feiert. Holi habe ich dieses Jahr ja leider hinter den verschlossenen Türen des Vipassanazentrums in Dehli verbracht. Drei Tage lang hatte ich das Gefühl direkt neben einem Festival meditieren zu müssen, ohne die Möglichkeit auch nur einen Blick auf das bunte Treiben werfen zu können oder auch nur einen Satz mit den anderen Insassen wechseln zu dürfen.

 

Als letzte Woche Durgosatva vor der Tür stand, Kalimpong voll mit vorfreudigen  Menschen war, war ich mir sicher: so ein Fest werde ich mir nicht noch einmal entgehen lassen! Zumal ich schon seit über drei Monaten nicht mehr das Tanzbein geschwungen habe. In unseren täglichen Pujas komme zwar zwei gewaltige Bassdrums zum Einsatz, aber Partystimmung kommt dabei natürlich trotzdem nicht auf. Techno und Stillsitzen ist nicht.

Umso mehr habe ich mich gefreut ,als ich vergangen Samstag meine Nachbarin (und Köchin) Chunu besucht habe und sie mich mit in das kleine Gemeindehaus unterhalb des Klosters genommen hat. Dort liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Der ganze Weg nach unten war schon schön geschmückt und im Haus standen zwei Boxen die laute (Hindi)dance Musik spielten und dabei wurde fleißig an der Deko gearbeitet. Fast ein bisschen Open Air Atmosphäre.

Die Puja würde am nächsten Tag beginnen, wurde mir gesagt und so habe ich mich am nächsten Tag der Veranstaltung einen weiteren Besuch abgestattet. So richtig Partystimmung war aber noch nicht. Im Gemeindehaus waren nur die beiden Priester und ihre Assistentin und führten die Puja durch. Geschmückt war zwar mit bunten Discolights aber die Zeremonie war doch eher traditionell.

Einer der Priester rezitierte einen Text auf Sanskrit, während seine Assistentin gleichzeitig Rituale durchführte, solche Dinge wie ein Öllampe anstecken, einen Teller vor Durga schwenken und andere Dinge. So ein Puja ist wohl doch relativ kompliziert.

Draußen gab es immerhin was leckeres zu Essen, die Frauen hatten einen kleinen Unterstand gebaut, wo sie Chai und Essen für die Puja zubereiteten. Dort sagt mir die Köchin, dass es besser sei Abends wiederzukommen. Leider war ich zu faul. Denn am Abend tönte laute Musik, Klatschen und Jubeln von dem kleinen Haus nach oben in mein dunkles Zimmer, aber alleine wollte ich den Weg durch die Nacht doch nicht antreten.

Also habe ich mich am nächsten Tag mit meinem Kollegen Jordan und Chunu verabredet und alle zusammen runter. Diesmal war tatsächlich sehr viel mehr los. Schon von weitem war, etwas schiefer Gesang zu hören, bestimmt Karaoke, dachte ich.

Aber nein, viel, viel besser! Eine kleine Band spielte große Hits. Als sie fertig war, stellten ein paar junge Bewohner des Dorfs bei Hindidance ihre Tanzkünste zu schau. Danach musste oder durfte die Band wieder ein paar Lieder spielen. So ging es fast den ganzen Abend, es war eine richtige Show. Sogar einen Moderator gab. Ein würdiger, mittelalter Herr, wahrscheinlich so etwas wie der Bürgermeister. Jordan und ich saßen wie die meisten anderen Besucher auf Plastikstühlen um die Künstler herum. Ganz zum Schluss gab es dann noch kurz „Group Dance“. Für fünfzehn Minuten vielleicht, aber die hatten es immerhin in sich. Sie wissen auf jeden Fall wie man Spass auf der Tanzfläche hat.

Am nächsten Morgen wurde unsere Durga dann nach oben zur Straße getragen, auf einen Pick-Up verladen und anschließend nach unten ins Tal zum Fluß Teesta gefahren und dort dem Wasser übergeben.

Aber nicht alle Pujas wurden an diesem Tag schon abgebaut. Bei einem Einkauf in Kalimpong waren noch jede Menge Bühnen zu sehen und meine Frage, ob man denn heute Abend hier tanzen könne, wurde enthusiastisch bejaht. Sogar bis um 11 (23:00). Also haben sich Jordan und ich am Abend auf den Weg gemacht. Das erste Mal im Dunkeln durch Kalimpong. Kaum Autos, aber immerhin viele Menschen, die meisten kamen uns allerdings schon auf dem Weg nach Hause entgegen.

Die erste Bühne, an der wir vorbeikamen war auch leider schon geschlossen. An der Zweiten hatten wir Glück. Wir wurden enthusiastisch empfangen und war sofort die Helden der ganzen Veranstaltung. Alle Partygäste wollten mit uns tanzen, nebenbei bekamen wir noch Bananen und andere Süßigkeiten zugesteckt und nachdem wir irgendwann etwas erschöpft ausgesehen haben müssen, wurden wir zu den Stühlen gebracht und uns wurde Wasser gereicht. Perfekte Gastfreundschaft. Beim Abschied wollten alle noch einmal unsere Hände schütteln und zu Diwali wurden wir auch gleich eingeladen. Das soll noch etwas besser werden, ich bin ja mal gespannt.

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