Indian Rainbows

Einer neuer Pass? Der Gang zum Konsulat

Aufstehn! Um 7:00!! Ich habe es immer noch nicht geschafft meinen Tagesrhythmus auf die indische Zeit zu verschieben, also bin ich völlig schlaftrunken als der Wecker klingelt.

Mit Mühe und Not quäle mich aus dem Bett und unter rettende Dusche. Das kühle Wasser wäscht die Müdigkeit sowie den Nachtschweiß von mir und ich schaffe es pünktlich um 7:30 zum Taxi, dass vor dem Hotel auf mich wartet.

Jetzt geht es also in die Boat Club Road. Klingelt edel – ist es auch. Hier lerne ich eine ganz andere Seite Chennais kennen. Eine Villa reiht sich an die Nächste, alles ist weitläufig und grün. Als wir vor dem Konsulat ankomme, sehe ich einen Schwarm Papageie, die es sich in einem Baum auf einem Nachbargrundstück bequem gemacht haben.

Koennte Zehlendorf sein! Das Konsulat befindet sich in einer sehr buergerlichen Gegend.

Konnte Zehlendorf sein! Das Konsulat befindet sich in einer sehr bürgerlichen Gegend.

Das deutsche Konsulat ist ein stattlicher Komplex, gesichert durch einen hohen Zaun. Zutritt erlangt man nur durch eine Schleuse,  die von einem indischen Pförtner mittleren Alters bewacht wird.

Außer mir haben sich noch eine Reihe Inder vor dem Konsulat versammelt, die Arbeitsvisa für Deutschland beantragen möchten. Pünktlicht um 8:00 bildet sich dann eine Schlange vor dem Pförtner und die Menschen werden, einer nach dem anderen, eingelassen.

Ich stelle mich hinten an und warte brav bis ich an die Reihe komme. Dann fragt der Pförtner mich: „Sir, do you have an appointment?“

Als ich verneine, heißt es noch „You have to make an appopintment, sir“ und dann verscheucht er mich mit einer Handbewegung. Auf mein Nachfragen, reicht er mir noch eine Telefonnummer, die ich dann auch sogleich anrufe.

In der Gegend um das Konsulat sthen viele alte Villen aus der Kolonialzeit.

In der Gegend um das Konsulat stehen viele alte Villen aus der Kolonialzeit.

Ein Inder meldet sich, ich erkläre ihm die Situation. Doch wieder heißt es: „You have to make an appointment, sir!“ Ich werde etwas ärgerlich, habe ich mich doch extra auf der Webseite des Konsulats informiert. Termine für Passangelegenheiten kann man vor Ort bekommen. Das erzähle ich auch meinem Gesprächspartner und habe Erfolg. Er fragt einen Vorgesetzten und kurz darauf heißt es, zurück zum Konsulat. Dort geht es durch die Schleuse, an der ich mein Mobiltelefon abgeben muss.

Danach stehe ich in einer – deutschen Amtsstube. Die Atmosphäre ist unverkennbar.  Ein indischer Sicherheitsmann weist mich an Platz zu nehmen, will aber nicht das ich mir eine Wartemarke ziehe. Im Fernseher läuft Deutsche Welle, eine Reportage über Polizeigewalt in Indien. Etwas verunsichert nehme ich Platz und fange an zu lesen.

Doch schon nach kurzer Zeit werde ich von einer freundlichen Beamtin aufgerufen, die sich meines Falles annimmt, noch bevor einer der Inder aufgerufen wird, die schon länger im Konsulat warten.

Doch dieser Service hat auch seinen Preis. Ich habe nur die Wahl zwischen einem einfachen Ausreisedokument oder einem biometrischen Pass. Denn der vorläufige Pass wird vom Konsulat nur ausgestellt, wenn auch der Biometrische beantragt wird. Macht insgesamt schlappe 200 Euro! Ich zucke innerlich zusammen als ich die Summe höre. Aber was bleibt mir für eine Wahl?

Immerhin bekomme ich eine feste Zusage, den Pass morgen früh abholen zu können. Damit ist die zweite Etappe des bürokratischen Triathlons erledigt – bleibt nur noch das „Foreigners Registration Office“, wo ich dann gleich morgen früh hingehen will.

Verwunschene Gaerten im Sueden Chennais.

Verwunschene Gärten im Süden Chennais.

Dann mache ich mich auf, laufend die Gegend zu erkunden. Google Maps hat mir ausgespuckt, dass es mehrere Geschäfte für Musikinstrumente in der Gegend gebe. Die meisten haben leider zu, doch beim letzten werde ich fündig und kann eine schöne kleine Reisegitarre erstehen.

Doch stellt sich mir die nächste Frage! Wo spielen? Ich bin ein Anfänger und würde am liebsten alleine üben. Doch wo in Chennai kann man halbwegs in Ruhe Gitarre spielen?

Das Hotelzimmer kommt für mich nicht in Frage. Im Bad stinkt es mit jedem Tag mehr aus den Abflüssen, zudem ist das Hotel sehr hellhörig, man hört andauernd Stimmen und mindestens alle fünf Minuten die Fahrstuhl Ansage.

Ich entscheide mich dafuer, es im Guindy Nationalpark zu versuchen. Auf der Karte eine großes grüne Flache, in der sich allerlei wilde Tiere herumtreiben sollen. Da wird doch auch sicherlich ein Platz für mich sein. Und weit ist es auch nicht, nur zwei Bahnstationen weiter nach Süden.

Doch diese Entscheidung erweist sich als Fehler. Vor Ort zeigt sich, dass der Park gegenwärtig nicht zugänglich ist. Als Alternative bietet sich mir entweder der Kinder- oder der Schlangenzoo an.

Ich entscheide mich für den Schlangenzoo, doch lange halte ich es dort auch nicht aus. Reptilien haben einen begrenzten Unterhaltungswert. Daran ändert  auch die Show nichts. Der fehlt irgendwie das dramatische Element. In einem Glaskasten steht ein Tierpfleger vor sich eine Reihe Schlangenkörbe.

Der Weg zur theosophischen Gesellschaft ist mir leider versperrt. Doch es gibt Licht am Ende des Tunnel.

Der Weg zur theosophischen Gesellschaft ist mir leider versperrt. Doch es gibt Licht am Ende des Tunnel.

Dazu wird ein Film abgespielt, in dem Fakten über die präsentierte Schlangenart aneinander gereiht werden. Ich halte keine zwei Schlangen durch, dann verlasse ich den Zoo in Richtung theosophischer Gesellschaft. Die ist auch in der Nachbarschaft, hat viel Grünfläche und sogar einen buddhistischen Tempel.

Villa in zugewuchertem Garten. Solche Orte ziehen mich magisch an.

Villa in zugewuchertem Garten. Solche Orte ziehen mich magisch an.

Es ist viertel nach vier als ich am Eingang dort ankomme. Doch Öffnungszeiten sind nur 14-16 Uhr. Die Idee den Wächter zu bestechen kommt mir nicht, also bleibt mir nur eine letzte Möglichkeit – Elliot Beach. Weitere 15 Minuten weiter die Straße herunter.

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Am Elliot Beach wirkt Chennai fast wie ein kleines Baderessort.

In Elliot Beach, dem Santa Monica Chennais, herrscht eine ganz andere Atmosphäre am zentralen Marina Beach. Der Strand ist zweigeteilt. Auf der rechten Seite gibt es eine Art Promenade an der es viele Restaurants und Cafes gibt. Die andere Seite des Strandes ist von Fischern besiedelt, die dort ihre Boote und Netze unterbringen und am oberen Ende des Strandes ihr Hutten haben. Es ist ruhig und nur mäßig voll.

Idyllisch - die Fischer bringen ihr Boot zu Wasser.

Idyllisch – die Fischer bringen ihr Boot zu Wasser.

Sehr gut! Ich suche mir einen Platz und fange an mich mit der Gitarre zu beschäftigen. Schon bald kommen erste Zuhörer und mit einem komme ich schließlich in ein längeres Gespräch. Er heißt Sreehari, studiert Buchhaltung und kommt aus einem Dorf in der Nähe. Sehr nett lädt er mich für morgen auf eine indische Hochzeit in sein Dorf ein. Der Tag ist gerettet.

Spater sucht er mir noch die passende Buslinie fuer den Weg nach Hause heraus und bringt mich zum Bus. So komme ich endlich in den Genuss in Chennai Bus zu fahren. Denn fuer Uneingeweihte ist das Busystem kaum zu durchschauen. Es gibt jede Menge Linien, nur leider keinen Plan, an dem man die Routen der Busse nachschauen kann. Spaeter habe ich dann herausgefunden, dass Google Maps die Bussverbindungen in Chennai anzeigt.

Morgen früh also noch zur Einwanderungsbehörde, aber da ich ja schon mal ein Visum hatte sollte es ja keine Probleme geben, ein neues für den gleichen Zeitraum zu bekommen. Und anschliessend eine auf Hochzeit!

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