Indian Rainbows

Ventilatoren im Tieflug

Wenn man schon nach Indien fährt, sollte man das gefälligst frühstens im Herbst tun und sich spätestens zum Frühlingsende so langsam wieder in den Norden verpissen. Oder in die Berge, nach Nepal oder so. Der Sommer ist einfach zu heiß, in Dehli stieg das Thermometer diesen Sommer auf sage und schreibe 47.8°C. Und weil der Sommer in Indien früher anfängt als bei uns, habe ich mich sicherheitshalber Ende März zurück nach Europa abgesetzt, wo mich ein regnerischer Frühling in Portugal und Spanien erwartet hat. Doch Indien möchte mich schneller zurück als erwartet und so fliege ich mitten in der Regenzeit zurück nach Kalkutta, um von dort aus weiter nach Kalimpong zu reisen.

DSC03333

Die Gegend um die Sudder Street ist ein großer Markt. Es gibt hier alles – vom iPhone bis zum lebendendigen Huhn.

Der Monsun schafft etwas Abkühlung, aber die Luftfeuchtigkeit könnte größer nicht sein und so bin ich schon nass geschwitzt wenn ich nur die Hoteltreppe hochsteige. Im Zimmer verschafft mir jetzt immerhin der Deckenventilator etwas Abkühlung, andererseits habe ich immer auch ein wenig Angst das sich die Konstruktion aus der Halterung löst, nach unten aufs Bett fällt und mir eines meinen überaus geschätzten Körperteile absäbelt.

Aber das ist wahrscheinlich nur der Rest Sicherheitsdenkens, das ich mir während meiner fast drei Monate in Deutschland angewöhnt habe. Indien ist doch wieder ein Kulturschock und es wird wohl wieder ein paar Tage dauern bis ich und mein Verdauungstrakt sich an das Leben im neuen Umfeld angepasst haben. Und so saß ich gestern im Prepaid Taxi vom Flughafen zur Sudder Street in Kalkutta und fragte mich, was ich hier nur verloren hätte. Für die 16 Kilometer brauchen wir knapp eine Stunde, der Fahrer ist nicht gerade gesprächig und ein überaus ergiebiges Gewitter zieht über uns hinweg.

 

Angekommen wird die Sache nicht besser. Ich möchte in mein altes Hotel gehen, doch da gibt es nur noch ein Zimmer ohne Ventilator. Außerdem ist der Matratzenbezug gerissen und alles wirkt irgendwie unappetitlich und dreckig. Zudem ist der Preis seit meinem letzten Besuch um das Doppelte gestiegen. Empört mache ich kehrt und suche ein anderes Hotel. Doch das ist schwerer als erwartet – alles ist ausgebucht. Viele Bangladeschis sind in die Stadt gekommen, weil die Festivalsaison vorbei ist. Einem der Hotelschlepper will ich mich auch nicht anvertrauen, also gehe ich nochmal zurück.

Dort sagt mir die Besitzerin das der Ventilator jetzt repariert würde und bis dahin könnte ich ja ihren Kleinen verwenden. Außerdem kommt ein frischgewaschener Bezug aufs Bett und auf einmal sieht das Zimmer viel netter aus.

Ich mache es mir schon mal bequem und packe aus und um, als es nach etwa einer Stunde an die Türe klopft. Der Monteur ist gekommen. In der Hand einen funktionsfähigen Ventilator, den er wahrscheinlich gerade irgendwo frisch abmontiert hat, jedenfalls ist der Motor noch ganz heiß.

Leiter hat er keine dabei, stattdessen stellt er den einzigen Stuhl im Zimmer auf das Bett. Das Ganze ist mir etwas zu wacklig, außerdem habe ich Angst um mein frisches Laken. Also klappe ich die Matratze hoch und stelle den Stuhl auf die Sperrholzplatte darunter. Währenddessen sucht der Monteur am Schaltbrett nach dem Schalter für den Ventilator, da dieser nicht gekennzeichnet ist, stellt er einfach alle Schalter auf die untere Position, nur das Licht bleibt an.

 

Dann stellt er sich auf den Stuhl, bittet mich ihm den Ventilator zu reichen und befestigt das Gerät dann mit einer kleinen Schraube an der Stange die aus der Decke ragt. Mit einer Flachzange zieht er dann eine Mutter an, schließt die beiden Drähte an den Motor an. Fertig!

Er klettert herunter und schaltet den Ventilator an, der sogleich mit einigem Geklapper los läuft und einen kleinen Sturm im Zimmer erzeugt. Er lacht zufrieden, klemmt sich den kleinen, provisorischen Ventilator unter den Arm und lässt mich alleine im Zimmer zurück. Der Ventilator läuft auf höchster Stufe, lässt die Befestigung an der Decke bedrohlich hin und her wackeln. Ich, mittlerweile auch einfach zu müde um mir noch irgendwelche Sorgen zu machen, schalte den Ventilator zwei Stufen runter, lege mich hin und schlafe ein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.