Indian Rainbows

Independence Day

Die meinsten Länder der Welt haben einen. Amerika hat, natürlich den Allerbesten. Ungarn den Allerältesten. Und Indien? Indien hat den Größten! Über 1,2 Milliarden Menschen feiern am feiern ihre Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft.

Seit Wochen schon laufen die Vorbereitungen. Erst habe ich mich gewundert wo das Trommeln herkommt, dass nachmittags durch ganz Kalimpong schallt. Dann auf dem Heimweg habe ich denn Ursprung des Lärms entdeckt. Eine ganze Schule hat sich auf dem Hof versammelt. Jede Klasse in Reihe und Glied postiert. Und dann, auf einmal ging die Musik los. Und die ganze Schule fing an zu marschieren. Vom einem Ende des Platzes zum Anderen und anschließend wieder zurück. Ich muss gestehen, ich war etwas befremdet.

Im Kloster haben sie mir dann erklärt was Sache ist: Independence Day steht vor Tür. Am 15.8.1947 mussten die Briten nach fast 200 Jahren mehr oder weniger direkter Herrschaft die Kontrolle über Indien abgeben und die größten Demokratie der Welt wurde geboren. Das ist natürlich ein guter Grund zu feiern und außerhalb Deutschland werden zu solchen Anlässen immer gerne Paraden abgehalten.

Und weil in Kalimpong sonst nichts los, freuen sich natürlich alle ungemein auf den Festtag und so beschränken sich die Vorbereitungen nicht nur aufs exerzieren. Die Geländer werden frisch in den Nationalfarben gestrichen und zahlreiche Jahrmarktsverkäufer tauchen auf einmal in der Stadt auf.

Und so lass ich es mir natürlich auch nicht nehmen, Samstag direkt nach dem Frühstück nach Kalimpong zu fahren und selbst in Augenschein zu nehmen, wie so ein Independence Day gefeiert wird.

 

Denn das Marschieren geht früh los und dauert den ganzen Tag an. Die Innenstadt bleibt den Tag über für Autos gesperrt, so dass ich endlich mal durch die Straßen schlendern kann, ohne jede Minute vom lauten Hupen aufschreckt zu werden.

Die Feier konzentriert sich auf zwei Orte, die Haupstraße mit den frisch gestrichenen Geländern. Und das Fußballstadion, in dem sich die Schüler sämtlicher Schulen Kalimpongs formiert haben und nacheinander aus dem Stadion in die Stadt marschieren.

Die Menge schaut begeistert zu und nutzt jede Erhebung aus, um ein besseren Blick auf das Geschehen auf dem Flußballplatz zu erhaschen. Ich finde es immer noch ein bischen mehrkwürdig, dass in Indien Unabhängigkeit gefeiert wird, indem man in den (Schul)uninformen und zu der Musik der früheren Kolonialherren durch die Straßen marschiert. Die Inderinnen legen doch so einen guten Modegeschmack an den Tag, da muss es doch möglich sein Schulinformen im indischen Stil zu entwerfen.

Wie dem auch sei, der Freude der Menschen tut das keinen Abbruch, ebenso wenig übrigens, dass kein Alkohol ausgeschenkt wird. Die Atmosphäre ist durchweg freundlich und friedlich, von der latent aggressiven Stimmung deutscher Volksfeste ist hier nichts zu bemerken. Was mir ein bischen fehlt ist anständige Musik, man hört den ganzen Tag nur Marschmusik und daher gehe ich nach meinem Mittagsmahl zurück in das Kloster.

 

 

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