Indian Rainbows

Saturday Night Fever

Er ist also doch weg! Gestern habe ich meinen Pass kopiert. Danach wieder eingesteckt – dachte ich! Doch als ich das nächste mal meine Taschen gecheckt hatte, war er weg! Auch nachdem ich ein zehntes Mal alle Taschen durchsucht hatte!
Dann den Weg zurück zum Copyshop abgelaufen. Nix! Der Copyshop – leider zu!

Ich tröstete mich damit, dass er ja wahrscheinlich bei den Leuten im Copyshop aufgetaucht sein muesse. Am nächsten Tag vorbeigeschaut. Wieder Nix! Scheiße!

Dennoch, kein Sinn sich ueber etwas zu ärgern, dass nicht zu ändern ist! Laut Webpräsenz des deutschen Konsulats braucht man auch nur drei Stelle anlaufen, um das Problem zu lösen.
Also morgen zur Polizei, einen First Information Report (FIR) organisieren. Am Montag dann zum Konsulat einen neuen Pass beantragen. Anschließend zum Foreigners Registration Office (FRO), um ein neues Visum zu bekommen.

Trotzdem bin ich deprimiert! Habe mir sogar einen Tom Clancy Roman (Red Storm Rising, es gibt bessere Bücher) gekauft, will nichts mehr von Indien wissen und bleibe im Hotel!

Doch abends halte ich es im engen, stickigen Hotelzimmer nicht mehr aus. Ich gehe an den Strand. Leider hat dort um 9 Uhr schon alles geschlossen und wirklich wohl gefühlt habe ich mich im Dunkeln dort auch nicht.

Die Buergersteige werden hochgeklappt. Am Strand wird gegen 9 zusammengeraeumt

Die Bürgersteige werden hochgeklappt. Am Strand wird gegen 9 zusammengeräumt

Auf dem Rückweg vom Strand sehe ich das Schild der Submarine Bar leuchten. Geschwächt vom Frust des Tages werfe ich meinen Vorsatz, in Indien keinen Alkohol zu Trinken über Bord, heiße den Fahrer an zu stoppen.

Bevor ich mein ersehntes, kühles Bier erreiche, muß ich noch die (hart aussehende) Türe überwinden. Eine ganze Kompanie Sicherheitsleuten in fantasierten Kolonialuniformen, die mich alle scharf von Kopf bis Schuh mustern. Ob Aufgrund meines sehr legeren Outfits, meiner Hautfarbe oder ob es ein allgemeiner Teil der Begrüssungszeremoniels ist, bleibt offen. Nach der Musterung ist Einlass.

Die Submarine Bar! Unter einem Hotel der gehobenen Preisklasse ist die Bar auch nicht ganz billig. Ein Bier kostet 250 Rupien - das sind mehr als 3 Euro.

Die Submarine Bar! Unter einem Hotel der gehobenen Preisklasse ist die Bar auch nicht ganz billig. Ein Bier kostet 250 Rupien – das sind mehr als 3 Euro.

Die Bar erweist sich als Tanzlokal, in dem Indi Dance mit erheblichem Bassdruck lauft. Es gibt eine Tanzfläche auf der sich etwa 20 junge Inder verausgaben, sie sehen auf jeden Fall so aus als ob sie Spaß hätten! Das Ambiente ist raumlos, der „Schuppen“ könnte so überall zwischen Vegas und Berlin existieren – aber auch in Chennai.

Am Ende waren es nur noch drei! Doch zu Beginn war die Bar gut von den auschliesslich maennlichen Gaesten gut gefuellt.

Am Ende waren es nur noch drei! Doch zu Beginn war die Bar gut von den auschliesslich maennlichen Gaesten gut gefuellt.

Auf einmal wechselt die Musik, von (H)Indi Dance zu „Don’t loose you head“ von Fergie im Joseph Capriati Remix. Es rummst gewaltig die Musik fühlt sich gut an.

Submarine Blues! Meine erste Bar in Chennai.

Submarine Blues! Meine erste Bar in Chennai.

Was die Bar von allem abhebt was ich bisher so erlebt habe, ist die Zahl der Kellner – auf drei Gäste kommt Einer. So muss man sich sein Bier natürlich nie selbst nachschenken und auch die Snacks auf dem Tisch werden stets wieder aufgefrischt.

Pünktlich um 22:00 Uhr, vielleicht auch ne halbe Stunde später ist der ganze Spass dann aber auch vorbei. In Tamil Nadu muss jede Bar mit Schanklizenz um zehn schließen.
Naja, vielleicht findet sich ja noch eine Moeglichkeit sich ohne Alkohol zu vergnügen. Die Stadt ist ja gross genug.

Und ich habe Glück! Auf dem Rückweg zum Hotel höre ich laute Musik und verdächtige Discolights scheinen aus einem Fenster im ersten Stock eines Hauses in einem Hinterhof. Etwa ein Club? Vor einer langen, schmalen Treppe steht ein Security, der mich nach kurzem Kopfnicken passieren lässt. Innerlich schreie ich schon freudig „Party“! als ich drei Typen vor dem Einlass stehen sehe, die 600 Rupien Eintritt verlangen. Party ich komme!

Doch zu meiner Entäuschung heißt es: „Gleich zu“. Ein kurzer Blick in die gute Stube wird mir aber gewährt und ich sehe … dass ich in einer Art … tamilischer Tabledance gelandet bin. Zwanzig mehr oder minder hübsche junge Mädchen stehen auf einem Podest und bewegen sich im Rythmus indischer Tanzmusik, die life dargeboten wird. Die Band setzt sich, so wie es hier oft der Fall ist, aus Sängerin, Sänger, Percussions und Synthie zusammen.
Um die Mädchen herum sitzen die Zuschauer und ab und zu werden dem Sänger oder einer der Tänzerinnen ein paar Geldscheine zugesteckt.

Chennai Tabledance! Viel Haut gibt es nicht zu sehen, aber gelegentlich wird einem der Maedchen ein paar Scheine zugesteckt.

Chennai Tabledance! Viel Haut gibt es nicht zu sehen, aber gelegentlich wird einem der Maedchen ein paar Scheine zugesteckt. Leider war photographieren nicht erlaubt, aber ein Schnapschuss ist mir doch gelungen.

Ich frage mich was hier eigentlich genau stattfindet. Ist das alles? Oder präsentieren sich die Mädchen nur, um nach der Show versteigert zu werden??
Auf Nachfrage erklaert mir mein Sitznachbar, daß es sich um eine ganz normale Show handelt. Und nachdem dann um 12 alle zusammen brav Happy Birthday singen und dicht gemacht wird glaube ich ihm das auch…

Tamil Nadu ist einer der konservativsten Staaten Indiens und Parties muss man länger suchen, als ich in der Stadt war. Die Kinder von Chennais Mittelschicht sind immer noch fasziniert von  Starbucks und Shopping Malls, stehen allerdings auch schon auf purple drink! Eine Subkultur, die es erlauben wuerde indische Identität außerhalb des traditionellen Rahmens und des allgegenwärtigen Kommerz zu gestalten, habe ich in Chennai nicht erlebt.

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