Indian Rainbows

Sweatshop in Chennai

Auch wenn man es nach meinen Besuchen beim Immigrationsbüro kaum glauben mag, so sind die Inder doch ein unglaublich gastfreundliches Volk.

Auch in der Millionenstadt Chennai werde ich oft eingeladen und das nicht nur von Leuten, die mir von einer glänzenden in Geschäftsmöglichkeit erzählen möchten. Ganz oft freuen sich die Menschen auch einfach nur darüber, dass sich jemand für ihr Land interessiert.

Es ist Samstag. Die verdammten Immigrationsbehörde hat sich immer noch nicht gemeldet und ich drucke, in einem verzweifelten Versuch die Bürokratie  zu überlisten, Plakate, die dem Finder meines Passes 2000 Rupien Belohnung versprechen.

Die Plakate hänge ich zwischen dem Punkt auf, an dem ich den Verlust des Passes bemerkt habe und dem Xerox-Shop, wo ich ihn zum letzten mal in der Hand gehalten habe.

Dort treffe ich auch noch einmal auf den Besitzer des Kopierladens. Er ist sehr freundlich und verspricht mir seinen Laden noch einmal genaustens nach dem Pass zu durchsuchen. Die Belohnung wolle er aber auf keinen Fall annehmen. Für solche Profanitäten wie Geld sei ein Pass viel zu wichtig!

Nach vollbrachter Arbeit lasse ich mich durch Straßen Triplicanes treiben, mache Photos und steuere halb unbewußt Richtung Süden, um mir dort den Kapaleesawar Tempel anzuschauen.

Auf dem Weg weckt ein Markt mein Interesse. Bisher habe ich mir noch keinen indischen Markt genauer angesehen und ich steuere blindlings hinein, mitten in die Geflügelabteilung.

Ach du dickes Huhn. In diesen Kafigen warten die Kreaturen auf ihr baldiges Ende.

Ach du dickes Huhn. In diesen Käfigen warten die Kreaturen auf ihr baldiges Ende.

In Indien, es gibt ja keine Kühlkette, werden Hühner lebend zum Markt transportiert und erst vor Ort geschlachtet. Links und rechts von mir sind Käfige vollgequetscht mit apathischen Hühnern, die unter der glühenden Sonne Chennais ihrem letzten Stündchen entgegendämmern. Es stinkt nach Hühnerscheiße, Blut und vergammeltem Fleisch. Ich schaffe es keine zehn Meter tief in den Markt hinein, dann muss ich würgend umdrehen. Ich schwöre mir, in Zukunft auf keinen Fall mehr Huhn zu essen!

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Sie sitzen und sitzen und sitzen. Den ganzen Tag. Bis endlich alle Kartoffeln verkauft wurden. Zur Abwechslung gibt es ab und zu ein Photoshooting.

Ein paar Meter weiter die Straße herunter kommt zum Glück die Gemüseabteilung. Es herrscht eine ganz andere Atmosphäre. Es riecht gut, nach frisch geernteten Zwiebeln. Die Menschen sind freundlich, wollen photographiert werden und scherzen miteinander.

Er hat gut Lachen! Bis auf den vorletzten Sack sind seine Zwiebeln ausverkauft!

Er hat gut Lachen! Bis auf den vorletzten Sack sind seine Zwiebeln ausverkauft!

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Es reiht sich Stand and Stand. Die Gemuseauswahl aehnelt der in der Deutschland, ist aber etwas vielfaeltiger.

Langsam durchquere ich den Markt und gehe danach weiter durch die engen, verwinkelten Gassen von Triplicane. Ich mache gerade Photos von einem sehr schönen, blauen Haus, als mich unvermittelt eine Stimme vom ersten Stock nach oben ruft.

Ein schones kleines Haus in Chennai. Da mochte man schonmal ein Photo machen.

Ein schoznes kleines Haus in Chennai. Da möchte man schonmal ein Photo machen.

Keine fünf Minuten später stehe ich im Wohnzimmer einer kleinen indischen Familie. Aravind, so heißt der Ernährer, lebt hier mit seiner Frau und seinen Eltern. Die Wohnfläche ist bescheiden, ein kleines Wohnzimmer mit Fernseher eine kleine Küche und zwei kleine Schlafzimmer. Alles in allem vielleicht 30-40qm. Wasseranschluß gibt es keinen in der Küche. Ich werde sehr herzlich empfangen, bekomme Limonade und Reis und unterhalte mich mit Arawind, dem Hausherren.

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Auch drinne blau! Wohnzimmer und Küche sind schlicht in Blau und Gelbtönen gehalten. Die Bewohner des Hauses ziehen sich passend dazu an. Uberzeugt!

Es stellt sich heraus, das sein Unternehmen LED Leuchten herstellt. Wir arbeiten also tatsaelich in aehnlichen Branchen. Er bemerkt mein Interesse und bietet mir an mich zu seinem Workshop zu fahren. Ich lasse mich nicht zweimal fragen und los geht es, auf einem dunkelblauen Scooter mit defektem Heckstoßdämpfer.

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Die „Fabrik“ ist zwei Blocks weiter in ersten Stock eines normalen Hauses untergebracht. Gleich im ersten Raum, mit zwei Fenstern zur Straße sitzen vier Frauen und bestücken Platinen. Noch einen einen weiteren Elektronikarbeitsplatz gibt es, sonst gibt es nichts zu sehen.

Mein letztes Ziel des Tages: Der Tempel

Mein letztes Ziel des Tages: Der Tempel

Die vier Frauen haben spurbar gute Laune, unsere Besuch gibt ihnen extra Aufwind. Sie lachen viel, über mich, meine Haare und Arawind. Wir trinken einen Kaffee, dann verabschiede ich mich. Arawind ist so freundlich mich zur S-Bahn zur fahren und ich mache mich auf zum Kapaleesawar Tempel.

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